Ferien ist ein deutscher Spielfilm der Regiesseurin Bernadette Knoller, der von Blikfilm produziert wurde.
Kamerafrau war Anja Läufer.

Der Film war mein erstes Projekt als VFX - Supervisor. Das Modell des Wals wurde von Josef Schmidt gestaltet und entworfen. Neben der Arbeit am Set war ich später auch für die 3d - Elemente und das Compositing zuständig.
Entstehung
Pre - Production: Finde einen Weg
Der fast zu späte Anruf...

Ferien begann für mich mit einem unerwarteten Anruf von einem Freund. Zu diesem Zeitpunkt befand sich der Film schon mitten in den Dreharbeiten. Ich wurde gefragt, ob ich dem Team bei der Umsetzung einer symbolischen Szene helfen könne, bei der sich die Protagonisten vor einem gestrandeten Wal setzen sollen. Ich bekam erste Skizzen von einem Wal Modell zugeschickt und erste Lösungsansätze entstanden.

Treffen eines fantastischen Modell - Designers...

Einige Tage später traf ich auf Josef Schmidt. Josef hatte schon einige Zeit zuvor damit begonnen ein „Stage Model“ zu bauen, das später abgefilmt und in das Bild eingefügt werden sollte. Das Modell war ca. 1,20 m lang.


Dein Arbeitsplatz umrandet vom Meer...

Gedreht wurde der Film zum größten Teil auf der schönen Nordinsel Borkum. Nach der Anreise besprach ich mit den Produzenten den Ablauf. Wir planten den Bau eines Green Screens, vor dem sich die Protagonisten positionieren sollten.
Finde Grün auf einer Insel...

Am Tag darauf fanden wir glücklicherweise einen Baumarkt und einen Schreiner auf der Insel. Mit einem Eimer grüner Farbe und alten Holzplatten im Gepäck, konnte nun der Bau eines inseltauglichen Green Screens beginnen.
Production: Supervising am Drehort
Warum nochmal darf ich diese Linie nicht übertreten...?

Als Supervisor am Drehort hatte ich zunächst die Aufgabe das Filmteam und die Schauspieler über das geplante Vorhaben aufzuklären. VFX - Shots sehen beim Dreh oft seltsam aus, da man meist nur einen Teil des Gesamtbildes sieht. Der restliche Teil wird häufig erst Wochen später am Computer ergänzt. So erklärte ich den Komparsen in einer Einstellung zum Beispiel, dass sie sich nicht über eine Gewisse Linie bewegen dürfen, da sie sonst in den Schattenwurf des Wals gelangen würden. Diesen sah natürlich noch niemand vor Ort.

Nutze so viele Referenzen wie möglich...

Um das Modell später im Studio in dem gleichen Licht wie am Drehort ausleuchten zu können, war es nötig ein Referenzmodell zu benutzen. Da sich der Dreh über den ganzen Tag verteilte und nicht immer in chronologischer Reihenfolge stattfinden konnte, machte ich für jede Einstellung Notizen zum Sonnenstand und fotografierte Lichtreferenzen.
Ich brauche all eure Daten...

Wie die Referenzen für das Licht, war es notwendig für jede einzelne Wal Einstellung einige Daten festzuhalten, um später eine digitale Kamera im 3d - Raum korrekt zu rekonstruieren. Dazu gehörten u.A. Daten, wie die genutzte Brennweite der Kamera, ihr Abstand zum Wal, ihr Winkel und ihre Höhe.
Dreh des praktischen Models in einem luxuriösen Studio - schöne Zeit...

Einige Wochen später fanden die Dreharbeiten für das Walmodell im Studio der HFF Konrad Wolf in Potsdam statt.
Mithilfe der gesammelten Daten und Referenzen, konnten wir das Modell unter den gleichen Bedingungen wie auf Borkum filmen. Ich entschied mich mit der selben Kamera zu filmen.
Dadurch erhoffte ich mir das identische Kamerarauschen, die gleiche Linsenverzerrung und Lebhaftigkeit einfangen zu können. Später sollte sich aber herausstellen, dass diese Methode nicht die optimale Lösung war.

Postprodukion: Mach es glaubhaft
Der wirkliche Spass beginnt...

Nun war es endlich an der Zeit alle gefilmten Elemente zusammenzuführen. Der Film wurde für das Kino produziert und ich bearbeitete das Footage im linearen Farbraum in der nativen Auflösung. Nach meiner Arbeit wurden die fertig bearbeiteten Bilder dem Color Grading Artist übergeben.

Für das Compositing nutzte ich Nuke und After Effects, für die 3d Elemente Maya und Mudbox.


Mit Miniaturen Arbeiten...

Die geringe Größe des Modells, zusammen mit der Methode es mit der Filmkamera und den selben Optiken abzufilmen, erwies sich leider als nicht optimal. Um die Schärfentiefe zu erreichen die wir beim Dreh auf Borkum hatten, mussten wir beim Modell mit einer sehr geringen Blendengröße arbeiten. Daraus folgte das Problem, dass das Bild insgesamt ein höheres Grundrauschen aufwies, als das Footage von Borkum. Zudem stellte sich beim Compositing heraus, dass der Detailgrad von der Waloberfläche zu gering für die Close - Up Shots war.

Bringe Leben in einen sterbenden Wal...

Um den Wal lebendig aussehen zu lassen, baute ich eine 3d Geometrie, die ich dann auf das Bild projezieren konnte. So war es möglich die Oberfläche mit mehr Detail zu füllen, sein Auge lebhafter zu gestalten, ihn Atmen und die Umgebung auf seiner feuchten Haut reflektieren zu lassen.
Unscharfe Menschenmassen, hier wird es knifflig...

Für eine Einstellung sollte eine Menschenmasse um den Wal herumwuseln. Beim Dreh fehlte dafür leider die Menge an Schauspielern. Also ließ ich mehrere Footage Elemente von den gleichen Leuten drehen, die bei jeder Aufnahme vorher ihre Kleidung tauschen sollten. Später sollten die einzelnen Elemente im Hintergrund um den Wal herum platziert werden. Das Footage stellte sich später jedoch als ungeeignet heraus, um die Personen vernünftig freistellen zu können. Ich fand zwei weitere Aufnahmen aus einer anderen Einstellung die geeignet waren. Jetzt war nur noch das Problem, dass es zu wenig Abwechslung unter den Personen gab. Dieses Problem löste ich mit Spiegelungen und Farbverschiebungen. Die Sonnenschirme und das Surfbrett dienen dazu, die Nahtstellen zwischen den kopierten Menschenfootage zu kaschieren.
Fliegt Wespen, fliegt...

Die Wespen waren die letzten Arbeiten für mich an dem Film. Zunächst sollte ein ganzer Schwarm im Zimmer neben der Darstellerin herumschwirren. Dafür entwarf ich eine einzelne Wespe und animierte sie. Anschließend vervielfachte ich sie zu einem Schwarm, dessen Flugverhalten ich in Maya simulieren ließ. Am Ende schafften es leider nur noch 3 digitale Wespen in den Film.

Fertig für den Grading - Room...

Nun war es soweit, das Footage wurde dem Color Grader übergeben und ich sah nach wochenlanger Arbeit die Bilder zum ersten Mal im Kino auf der Leinwand. Der Wal wirkte auf das Team und mich glaubhaft. Nun war meine Arbeit abgeschlossen. Anschließend wurde der Wal noch im Tonstudio vertont, wodurch er sich noch glaubhafter in die Szene einfügte.
Ich liebe meinen Job...

Ferien war für mich ein sehr interessantes Projekt mit vielen tollen Talenten und neuen Herausforderungen.
Das Team schenkte mir großes Vertrauen und ich bekam viele Freiheiten bei der Umsetzung, wodurch ich in allen Bereichen der Produktion neue Erfahrungen sammeln konnte. Vielen Dank für die schöne Zeit!

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